Grundlagen des Wissenschaftsjournalismus

Wissenschaftliche Studien lesen sich oft wie Fremdsprache. Dazu kommt, dass Forscher selten in einfachen Sätzen erklären, worum es eigentlich geht. Genau hier setzt guter Wissenschaftsjournalismus an.
In diesem Kurs arbeiten wir mit echten Forschungspapieren aus Bereichen wie Medizin, Klimaforschung und Technologie. Sie lernen, wie man P-Werte interpretiert, Korrelation von Kausalität unterscheidet und methodische Schwächen erkennt. Das klingt trocken, ist aber entscheidend – sonst schreiben Sie am Ende über Dinge, die die Studie gar nicht aussagt.
Praktische Recherchearbeit
Wir zeigen Ihnen, wie Sie Primärquellen finden, mit Wissenschaftlern sprechen und deren Aussagen einordnen. Viele Journalisten verlassen sich auf Pressemitteilungen, aber die sind oft übertrieben oder vereinfachen zu stark. Sie bekommen Werkzeuge an die Hand: Datenbanken wie PubMed, Retraction Watch für zurückgezogene Studien, und Kontakte zu unabhängigen Experten.
Ein großer Teil dreht sich ums Schreiben selbst. Wie erklärt man Immunsysteme, ohne dass es nach Lehrbuch klingt? Welche Metaphern funktionieren, welche führen in die Irre? Wir analysieren Artikel aus Spektrum, Zeit Wissen und Nature, sehen uns an, was funktioniert und was nicht.
Die beste wissenschaftliche Story nutzt nichts, wenn niemand sie versteht oder zu Ende liest.
Sie schreiben während des Kurses mindestens drei Artikel: einen über eine aktuelle Studie, einen Erklärartikel zu einem komplexen Thema und ein Interview mit einem Forscher. Jeder Text wird detailliert besprochen.
Programm und Ablauf
Woche 1-2: Wissenschaft verstehen
- Studiendesigns erkennen (RCT, Beobachtungsstudie, Meta-Analyse)
- Statistische Grundlagen ohne Mathematikstudium
- Peer-Review-Prozess und seine Grenzen
- Interessenkonflikte aufdecken
Woche 3-4: Recherche und Quellen
- Datenbanken nutzen (PubMed, arXiv, Google Scholar)
- Experteninterviews führen
- Pressemitteilungen kritisch bewerten
- Fact-Checking-Tools für wissenschaftliche Behauptungen
Woche 5-6: Schreiben und Veröffentlichen
- Komplexe Konzepte verständlich machen
- Struktur für verschiedene Formate (News, Feature, Erklärstück)
- Visualisierung von Daten und Zusammenhängen
- Ethische Fragen im Wissenschaftsjournalismus
Praxisprojekte
Jede Woche ein fertiger Artikel, Peer-Feedback in kleinen Gruppen, Optional: Veröffentlichung auf Partnerplattformen